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Titelmodel August 2010
Unser Titelmodel ist die Gewinnerin der aserbaidschanischen Castingshow „Yeni Ulduz“. Hierzulande kennt man Safura besser als heiß gehandelte Konkurrentin von Lena beim Eurovision Song Contest. Der Ausgang ist bekannt, doch die 17-Jährige mit dem exotischen Namen wie aus „Tausendundeine Nacht“ kämpft weiter um Aufmerksamkeit. Mehr über Safura auf Seite 41.

Bild: Zaphire Group

 

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Kommt ein Vogel geflogen

Ganderkesees 1.150-jährige Geschichte

th_ganderkese_01.jpgVor 1.150 Jahren wurde die Nachbargemeinde Ganderkesee zum ersten Mal schriftlich erwähnt. Seitdem ist vieles geschehen und einiges hat sich verändert – angefangen beim Ortsnamen bis hin zu neu gegründeten Traditionen. Deswegen werfen wir einen kurzen Blick zurück in die abwechslungsreiche Vergangenheit der Ganterstadt.

Laut einer Sage ist ein Gänserich der Namensgeber für Ganderkesee. Als um 1050 eine Pfarrkirche gebaut werden sollte, überließen es die Bürger einem Ganter, die richtige Stelle zu finden. Der damals als weise geltende Vogel wurde mit verbundenen Augen in die Luft geworfen und dort, wo er landete, sollte die Kirche gebaut werden. Er ließ sich mitten auf einem See nieder und damit war der Platz gefunden. Dem Ganter zu Ehren wurde der neue Ort Ganterkiesete, also vom Gänserich auserkoren, genannt. So viel zur Legende, wie die heute gut 30.000 Einwohner große Gemeinde zu ihrem Namen kam. Es gibt aber historische Hinweise, die noch viel älter sind als die Pfarrkirche St. Cyprian und Cornelius. Der Bremer Bischof Ansgar erwähnte 860 nach Christus in einem Brief zwei Frauen aus Gandrikesarde. Aufgrund dieser kurzen Notiz feiert Ganderkesee in diesem Jahr sein 1.150-jähriges Bestehen. Und auch wenn sich der ursprüngliche Name über die Jahrhunderte veränderte, ist doch eine Wortverwandtschaft zu erkennen. Übrigens wandelte sich die Ortsbezeichnung 1584 zum letzten Mal: Fremde Vermessungsbeamte, die kein Plattdeutsch sprachen, machten aus Ganderkesche einfach das heute gängige Ganderkesee.

th_ganderkese_02.jpgAuch wenn das Schriftstück des Bischofs der erste eindeutige Beweis für die Exis-tenz der Gemeinde war, gibt es doch Hinweise, die noch weiter zurückreichen. Die Großsteingräber in Stenum und Steinkimmen gehören unter anderem dazu. An der Straße zwischen Bookholzberg und Delmenhorst weist nur rechter Hand ein unscheinbares Schild „Großsteingrab“ auf die Zeitzeugen hin. Nach ein paar Metern Fußweg steht man plötzlich vor einer alten Eiche und zu deren Füßen liegen einige sehr große und stark verwitterte Steine. Diese Überreste gehören zu einer letzten Ruhestätte, die zwischen 3500 und 2700 vor Christi errichtet wurde. Wenn auch nicht mehr viel von dem ursprünglichen Bauwerk zu erkennen ist, so beweist es zumindest, dass während der Jungsteinzeit Menschen rund um Ganderkesee lebten und ihre Toten dort auch beerdigten. Was könnten diese Steine wohl alles erzählen? So müssen dies eben die Archäologen anhand der Funde tun.

Für die jüngere Vergangenheit der Gemeinde Ganderkesee müssen die Archäologen allerdings nicht so oft bemüht werden. So lässt sich der Bau der Arp-Schnitker-Orgel in der Kirche St. Cyprian und Cornelius genau bestimmen. Seit 1699 gehört dieses klanggewaltige Instrument zur Ausstattung und hat in dieser Zeit schon so einiges mitgemacht. Am schlimmsten war sicherlich der April 1945, als Flammenwerfer fast alle Häuser in Brand setzten und zerstörten. Auch Turm und Dachstuhl der Kirche fielen den Flammen zum Opfer. Dabei wurde die Orgel ebenfalls stark beschädigt. Den Pfeifen ist damals glücklicherweise nichts passiert, da man sie in einem anderen Teil des Gotteshauses untergebracht hatte. Erst 1954 waren die Reparaturarbeiten an Kirche und Orgel endgültig abgeschlossen. Seitdem wurde dem edlen Musikinstrument noch zwei Mal zu Leibe gerückt: 1965/66 für eine gründliche Überholung und in den Jahren 2004 und 2005, um es aufwendig zu renovieren. Für viele Touristen ist die Arp-Schnitker-Orgel der Grund, Ganderkesee einen Besuch abzustatten.

th_ganderkese_03.jpgAber die Orgel ist nicht der einzige Anziehungspunkt der Gantergemeinde. Nach dem Zweiten Weltkrieg begründeten die Ganderkeseer eine Tradition, die sie weit über die Ortsgrenzen hinaus bekannt werden ließ – den Fasching um den Ring. 1951 wurde erstmalig ein Festumzug veranstaltet, bei dem sich die teilnehmenden Vereine verkleideten. Die Resonanz der Zuschauer war so positiv, dass die Organisatoren für das folgende Jahr wieder einen Umzug planten. Inzwischen führten 60 Prinzenpaare durch die Sessionen. Wobei es eigentlich 59 waren, denn Imke Schobert und Holger Lux regierten zwei Jahre in Folge. 1991 hatten die Verantwortlichen den Umzug wegen des Golfkriegs abgesagt und dem Prinzenpaar ein Jahr später erneut die Chance gegeben, Herrscher über alle Narren zu sein.
Und so, wie der Fasching zu Ganderkesee gehört, ist auch der Ganter ein fester Bestandteil der Gemeinde geworden. Als nach dem Zweiten Weltkrieg neue Dienstsiegel für die Ortschaften entstanden, entschied sich der Gemeinderat ziemlich schnell für den Gänserich als Wappenbild. Das aufblühende Wirtschaftsleben integrierten die Stadtherren durch einen Stein, liefen doch damals die Ziegeleien in Rethorn und Kamen hervorragend. Selbst beim farblichen Hintergrund wurden sich alle schnell einig: Blau und Rot sollten es in Anlehnung an die Oldenburger Landesfarben sein. Nun ziert dieses Wappen seit dem 23. Juni 1954 jedes offizielle Schreiben der Stadt. Der Gänserich ist aber auch vielerorts als überlebensgroßes Wahrzeichen aufgestellt. So lässt sich zum Beispiel eine künstlerisch gestaltete Plastikfigur vor dem Rathaus finden. Aber an vielen anderen Stellen ist er inzwischen auch gelandet. Schließlich ist das seine Gemeinde.

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