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Interview mit der scheidenden Galerieleiterin Barbara Alms hat viel getan für Delmenhorst, die hiesige Kunstszene, den Ruf der Stadt und das Selbstbewusstsein der Bürger. Nach 21 erfolgreichen Jahren lässt die Leiterin der Städtischen Galerie weitaus mehr zurück, als sie anfangs vorgefunden hat – nämlich ein angesehenes Kunstmuseum.
Frau Alms, Sie haben nun 21 Jahre lang in Delmenhorst gearbeitet. Wie hat sich die Stadt aus Ihrer Sicht verändert?
♦ Delmenhorst hat einen enormen Sprung gemacht. Ich glaube, dass die Stadt sich nach außen sehr geöffnet und dass der Blick über den Tellerrand und in die Nachbarstädte zugenommen hat. Allerdings muss man sagen, dass die Handlungsmöglichkeiten durch die zunehmend schwierigen finanziellen Verhältnisse begrenzt waren. Das war ein ewiger Kampf, den wir nur dadurch bewältigen konnten, dass wir die Zuschüsse für die Realisierung der Ausstellungen in Stiftungen im Land Niedersachsen wie auch in den bundesrepublikanischen Stiftungen einholen konnten. Was hat Sie damals dazu bewogen, hierherzukommen? ♦ Im Herbst 1988 war ich zum ersten Mal überhaupt in Delmenhorst und habe eine Eröffnungsrede gehalten. Damals war das Haus noch im Zustand eines Heimatmuseums der 70er-Jahre, der nicht unbedingt einladend war. Aber ich hatte große Lust, ein Haus zu gestalten, zu leiten und zu formen. Zuerst dachte ich ja, ich mache das nebenbei, aber ich habe schon nach wenigen Monaten eingesehen, dass diese Arbeit mein ganzes Leben braucht, nicht nur beruflich, sondern auch große Teile meines Privatlebens.
Was war während der vergangenen Jahre der größte Erfolg in der Galerie – für die Kunst und für Sie persönlich? ♦ Da kann man schon gar nicht mehr differenzieren. Der größte Erfolg war sicherlich die Ausstellung „Der Sturm im Berlin der zehner Jahre“, wo wir hier – man kann es gar nicht fassen für so eine kleine Stadt – die wichtigsten Künstler der europäischen Moderne am Anfang des 20. Jahrhunderts wie Kandinsky, Marc, Chagall, Feininger, Klee, Braque und viele andere gezeigt haben. Eine Ausstellung, die damals eine halbe Million gekostet hat. Das war der endgültige Durchbruch für den Ruf der Galerie. Wir mussten das Haus zwischendurch sogar schließen, weil die Leute nicht mehr in die Ausstellung passten. Die kamen aus Karlsruhe, Berlin, Leipzig und Köln, es kamen Franzosen, Engländer und Busse aus Holland, um diese Ausstellung zu sehen. Das war sicherlich überregional, national, international, aber auch in der Stadt selber der größte Erfolg, den wir gehabt haben.
Waren Ihnen die Delmenhorster ein gutes Publikum? ♦ Die Entwicklung der Zustimmung in der Stadt Delmenhorst ging auch nur Schritt für Schritt. Am Anfang hatten wir etliche Schwierigkeiten. Die Kunst, die hier zu sehen war, war nicht mehr so eingängig. Das Delmenhorster Publikum war gefordert, in die zeitgenössische Kunstwelt einzusteigen und sich mit den neuen Entwicklungen auseinanderzusetzen.
Und das hat funktioniert? ♦ Ja, das hat es. Wir haben 1992 den Freundeskreis Haus Coburg gegründet – auch das war ein großer Erfolg in Delmenhorst. Insgesamt hat der Verein 50.000 Euro beigesteuert und in der Bevölkerung gesammelt, um Bilder zu kaufen, die Sammlungen aufzubauen, aber auch das Haus zu renovieren. Insgesamt sage ich immer: Nichts ohne die Hilfe meiner Freunde. Was sagen Sie zu Ihrer Nachfolgerin, Dr. Annett Reckert? Durften Sie bei der Wahl mitentscheiden? n Ich bin sehr glücklich mit ihrer Berufung und halte sie für die bestgeeignete Person. Mitreden tut man da nicht, wir haben ja keine Monarchie oder Dynastie, wo man das Amt an die Söhne und Töchter weitergibt. Was ich im Vorfeld getan habe: Wir haben ja eine bundesweite Ausschreibung gemacht und ich habe Personen, die ich für geeignet hielt, gebeten, sich zu bewerben.
Was möchten Sie ihr mit auf den Weg geben? ♦ Ich glaube, dass sie eine derart produktive Person ist, dass sie solche Ratschläge nicht braucht.
Aber die Arbeit in der Galerie wird Ihnen doch bestimmt sehr fehlen, oder? ♦ Das Kind ist groß geworden, 21 Jahre alt. Es hat einen guten Stand in Delmenhorst und im Bundesgebiet. Ich kann das gut abgeben.
Haben Sie schon Pläne für den Ruhestand? ♦ Eines der Spezialgebiete, die ich wissenschaftlich weiterentwickelt habe, ist eben der „Sturm“. In dem Bereich werde ich auch weiterarbeiten. Da gibt es zum Beispiel im Herbst ein Symposium in Berlin, wo ich das Eingangsreferat halten werde. Außerdem werde ich sicherlich an vielen Stellen Eröffnungsreden halten. Da muss ich jetzt schon abwehren. Aber zunächst will ich tatsächlich auch ein bisschen die Zeit genießen, denn ich habe ja wirklich viel gearbeitet, in den besten Zeiten 60 bis 80 Stunden die Woche.
Was möchten Sie abschließend noch loswerden? ♦ Ich hinterlasse hier etwas, was zunächst gar nicht meine Aufgabe war: Das Haus ist nämlich zum Museum geworden. Es gibt hier drei hoch angesehene Sammlungen: die Sammlung klassischer Moderne um Stuckenberg, eine französische Sammlung und eine Sammlung zeitgenössischer Kunst mit Zeichnungen und Aquarellen der gegenwärtigen Künstler. Ich bin außerordentlich dankbar, und ich habe ja eben schon gesagt: Nichts ohne meine Freunde! Das ist etwas, das ich nur unterstreichen kann. Und dazu gehören als Erstes meine Mitarbeiter, der Freundeskreis, die vielen Menschen hier in der Stadt und natürlich vor allem die Künstlerinnen und Künstler, die das Haus groß gemacht haben!
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